Unsere fiktive Smart City der Zukunft, nennen wir sie – in Anlehnung an die laut Smart-City-Index des Bitkom zwei smartesten deutschen Städte München und Hamburg – „Münchburg“, ist energieautark. Die Dächer fast aller Gebäude sind mit organischen Solarpanels ausgestattet, die Sonnenlicht auch bei bewölktem Himmel effizient nutzen. Zusätzlich sorgen Windtürme und unterirdische Geothermieanlagen für eine stetige Energieversorgung. Mit Künstlicher Intelligenz (KI) betriebene Energiemanagementsysteme regulieren den Verbrauch und passen ihn an Angebot, Wetterlage und Nutzungsverhalten an.
Überflüssige Energie wird in dezentralen Speicherzentren gelagert oder automatisch an benachbarte Kommunen weitergeleitet. Vertikale Gärten begrünen Fassaden, urbane Wälder die Dächer Münchburgs und verbessern so das Stadtklima. KI-Systeme steuern die Bewässerung.
Mobilität im Fluss
Die Infrastruktur von Münchburg ist modular aufgebaut: Straßen, Laternen und Bushaltestellen fungieren auch als miteinander kommunizierende Datenknotenpunkte. Laternen dimmen sich, wenn niemand in der Nähe ist, und leuchten heller, wenn sich Menschen oder Fahrzeuge nähern. Die Straßenbeläge sind smart: Sie erkennen Schäden frühzeitig und melden sie automatisch an den kommunalen Wartungsservice. Eine von Autos mit Verbrenner-Motor verstopfte Innenstadt gehört ebenso der Vergangenheit an wie mitten auf dem Gehweg abgestellte oder lieblos hingeworfene E-Roller. Carsharing-Pools mit E-Fahrzeugen und autonomes Fahren bestimmen das Stadtbild. Der Öffentliche Personennahverkehr ist weitgehend automatisiert, die Taktung von E-Bussen, U- und S-Bahnen effektiviert. Die Fahrradwege in Münchburg bilden ein nahtloses Netzwerk und haben sichere Randbegrenzungen und Pufferzonen zu den Straßen. Nicht nur in Münchburg, sondern landes- und bundesweit funktioniert die Verwaltung nahezu vollständig digital. Once-Only ist Realität und über das NOOTS (Nationales Once-Only Technical System) werden fachübergreifend nur die jeweils notwendigen Daten der Bürgerinnen und Bürger abgefragt und ausgetauscht. Physische Behördengänge finden nur noch bei komplexen Fällen statt, die menschliche Empathie und Einschätzungsvermögen erfordern. Verwaltungsroutineaufgaben werden von der KI übernommen. Die Nutzungszahlen von elektronischen Identifikationsnachweisen und digitalem Bürgerkonto gehen auf die 100 Prozent zu – wobei für maximalen Datenschutz gesorgt ist.
Bildung von morgen
Schulen sind hybride Lernorte mit personalisierten Lehrpfaden. KI-Lösungen analysieren Lernfortschritte und schlagen individuelle Fördermaßnahmen vor. Lehrerinnen und Lehrer sind vorrangig als Mentoren und soziale Bezugspersonen tätig. Die Technologie dient mehr denn je der Inklusion: Menschen mit Behinderungen oder ältere Bürger profitieren besonders von der smarten Infrastruktur – vom barrierefreien Zugang über digitale Assistenzsysteme bis hin zur sozialen Einbindung über virtuelle Nachbarschaftsnetzwerke. In Zeiten, in denen KI abstrakte und leider auch reale Ängste schüren kann, bilden Gedankenspiele über zukünftige Smart Cities und Smart Regions ein positives Gegengewicht. Dies klingt mitunter wie eine Utopie, muss ebendiese aber nicht bleiben. Werden die enormen Datenaufkommen und damit der Ressourcenverbrauch der Zukunft durch nachhaltige Energieversorgung ausbalanciert, ist die Grenze der Smartness höchstens die eigene Vorstellungskraft.
Autor: Christian Brecht
In Kooperation mit Behörden Spiegel
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