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BUNDESWEITE FACHMESSE UND KONGRESS

22. - 23. Oktober 2025 // Nürnberg, Germany

KOMMUNALE Newsroom

Kommunal klimaneutral: Das Potenzial der dezentralen Energieerzeugung

Das Bild zeigt Windkrafträder auf einem Feld und im Hintergrund Dörfer.
Das Ziel der Treibhausgasneutralität verlangt eine umfangreiche Transformation. Ein wichtiger Baustein dieser Umstellung liegt in einer dezentralen Energieerzeugung aus nachhaltigen Ressourcen. // © lizenzfrei

Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Auch die Europäische Union (EU) hat das Ziel, bis 2050 den Ausstoß von CO2 in der Gesamtbilanz auf einen Nullwert bringen. Doch ohne die Kommunen kann das kaum erreicht werden. Die dezentrale Energieerzeugung spielt hier eine Schlüsselrolle.

Das Ziel der Treibhausgasneutralität verlangt eine umfangreiche Transformation. Ein wichtiger Baustein dieser Umstellung liegt in einer dezentralen Energieerzeugung aus nachhaltigen Ressourcen.

Welche Energiequellen Gemeinden und Städte für sich auswählen, hängt allerdings von den Ressourcen ab, die vor Ort verfügbar sind. Wind, Sonne oder Biomasse sind nicht überall in ausreichendem Maße vorhanden. Natürlich haben Kommunen keinen Einfluss auf Faktoren wie ihre geografische Lage, die Topografie oder ihre natürlichen Ressourcen. Sie müssen also sorgfältig abwägen, welche Energiequellen am besten für ihre individuellen Bedingungen geeignet sind, um eine nachhaltige und zuverlässige Energieversorgung zu gewährleisten. Ein ausgewogener Energiemix von regionalen Erzeugern scheint dabei das Mittel der Wahl zu sein, mit dem sich Kommunen unabhängig von schwankenden Energiepreisen machen und ihre Verpflichtung im Bereich der Klimaneutralität erfüllen können. Die Investition in die eigene Energieautarkie macht sich aber dauerhaft bezahlt und erlaubt den Einsatz von Steuergeldern an anderer Stelle.

Die Menschen einbinden

Auf dem Weg zur klimaneutralen Kommune gilt es die  Bürger von Anfang an mitzunehmen. Wie die Agentur für Erneuerbare Energien in einer gemeinsam mit einem Konsortium durchgeführten Studie ermittelt hat, könnte beispielsweise eine stärkere finanzielle Partizipation von Einwohnern an der Energiewende die Akzeptanz erhöhen. Für Städte und Gemeinden spielt die Kommunikation der Agentur zufolge eine zentrale Rolle. Um die Akzeptanz von Energieprojekten zu steigern, sei zunächst ein grundlegendes Angebot von fairen Beteiligungsmöglichkeiten für die Bevölkerung in der Region von Bedeutung, betonen die Experten in der Studie.

Eine mögliche Strategie ist die Unterstützung von Bürgerenergiegenossenschaften. Damit liegt die Energieerzeugung in den Händen der Bürger, die über genossenschaftlich betriebene Fotovoltaik-, Wind-, Biomasse- oder Wasserkraftanlagen Strom und Wärme erzeugen. Immer häufiger errichten Bürgergenossenschaften auch Blockheizkraftwerke oder Ladesäulen für Elektroautos. Als Bürgermeister oder Verwaltungsangestellter gilt es hier, Bürokratiehürden abzubauen und Unterstützung anzubieten.

In Deutschland gibt es bereits einige Bürgerenergiegenossenschaften. Die Elektrizitätswerke Schönau haben hier schon viele Jahre Erfahrung gesammelt. Sie setzen sich seit den 1990er-Jahren für eine dezentrale und ökologische Energieversorgung ein und betreiben unter anderem mehrere Windparks und Fotovoltaikanlagen. Die Genossenschaft Bürger Energie Berlin hat sich ebenfalls das Ziel auf die Fahnen geschrieben, erneuerbare Energien in der Hauptstadt voranzubringen. Sie betreibt eigene Solaranlagen und engagiert sich für die Energiewende. Auch die Bürger Energie Genossenschaft Bayern hat bereits zahlreiche Solarprojekte umgesetzt und gestaltet die regionale Energieversorgung aktiv mit.

Jeder Schritt bei der nachhaltigen Energieversorgung trägt zum Klimaschutz bei. Sei es die Umstellung auf energieeffizientere LED-Straßenbeleuchtungen, Fotovoltaik auf kommunalen Dächern, Anreize zum Stromsparen oder Nahwärmenetze. Komplett energieautark zu werden ist dabei die Kür. Eine energieautarke Gemeinde hat es geschafft, ihren gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Energiequellen zu decken und ist somit unabhängig von fossilen Brennstoffen oder Atomenergie.

Ein Beispiel hierfür ist Feldheim in Brandenburg. Die Gemeinde betreibt eigene Windkraft- und Solaranlagen und versorgt sich selbst mit Strom und Wärme. Sie hat ihr eigenes Energienetz aufgebaut und ist weitgehend unabhängig von externen Energieversorgern.

Auch das bayerische Wildpoldsried kann sich als energieautark bezeichnen. Die Gemeinde produziert mehr Strom aus erneuerbaren Quellen, als sie verbraucht, und verkauft den Überschuss ins Stromnetz. Die Allgäuer haben sich vor allem durch ihre Windkraftanlagen in Bürgerhand international als Vorzeigegemeinde einen Namen gemacht. Ergänzt wird die Energiestrategie durch Stromsparwettbewerbe und eine Energiewerkstatt im Kindergarten.

Kommunale Wärme- und Energieplanung

Ohne das Engagement in den Städten und Gemeinden kann die Energiewende nicht gelingen. Eine tragende Säule bildet dabei die Wärmeversorgung. Mit einer strategischen Wärmeplanung haben Kommunen die Möglichkeit, vor Ort Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Diese Strategie hat gleich mehrere positive Effekte: Lokale Unternehmen erhalten Aufträge, es entstehen zusätzliche Arbeitsplätze und die Heizkosten der Einwohner bleiben aufgrund der geringeren Abhängigkeit von globalen Marktentwicklungen stabil. Das verbessert langfristig die Zufriedenheit mit der Verwaltung und gibt den Kommunen selbst finanziellen Spielraum für andere Investitionen.

Denn als Betreiber von unterschiedlichen Gebäuden wie Turnhallen, Verwaltungsgebäuden, Kindergärten und Schulen, verbraucht die kommunale Verwaltung selbst viel Strom und Wärme. Hier sollten Städte und Gemeinden ihre Vorbildfunktion nicht unterschätzen und auf erneuerbare dezentrale Energie setzen. Die gute Nachricht: Für die Installation kleinerer umweltschonender Heizungsanlagen bis 100 Kilowatt Nennwärmeleistung vergibt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Investitionszuschüsse. Für größere Erneuerbare-Energie-Anlagen gibt es zinsgünstige Kredite von der KfW im Rahmen des Programms „Erneuerbare Energien – Standard“. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz fördert zudem den Neubau von größeren Heizwerken, die erneuerbare Energien nutzen, Tiefengeothermieanlagen, Wärmespeichern, Anlagen zur kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung sowie Wärmenetzen.

Derzeit in Planung ist noch ein Gesetz der Bundesregierung zur kommunalen Wärmeplanung. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Länder und Kommunen in den kommenden Jahren konkrete Pläne zum klimaneutralen Umbau ihrer Heizinfrastruktur vorlegen sollen.

Deshalb ist es schon jetzt wichtig, Aspekte wie die vorhandene Infrastruktur, die Investitionskosten und Umweltauswirkungen von möglichen Alternativen zu untersuchen. Gibt es genügend Biomasse für Biogasanlagen, können Hackschnitzel lokal erzeugt werden, sind Dächer und Flächen für Solaranlagen noch ungenutzt oder ist der Standort für Windkraftanlagen geeignet? Diese Fragen gilt es in die Entscheidungsfindung einzubeziehen.

Unterstützung auf diesem Weg erhalten Kommunen beispielsweise von unabhängigen Energieberatern: Sie zeigen, wie sich Energiebedarf und CO2-Emissionen auf wirtschaftliche Weise reduzieren lassen. Hier übernimmt beispielsweise das BMWK 80 Prozent der Kosten einer Energieberatung für Nichtwohngebäude kommunaler Unternehmen. Wichtigster Treffpunkt für Experten und kommunale Entscheidungsträger in Bayern wird in diesem Jahr erneut die Kommunale in Nürnberg sein. Insbesondere auf dem diesjährigen Kommunalkongress des Bayerischen Gemeindetags erhalten Verantwortungsträger aus Politik und Verwaltung zukunftsweisende Impulse zur dezentralen Energieerzeugung und können wichtige Kontakte mit Experten knüpfen. Der 13. Bundesweite Kongress legt in diesem Jahr den Fokus auf die Klimawende. An beiden Tagen des Kongresses wird unter dem Arbeitstitel „Noch 5 Jahre bis zur klimaneutralen Gemeinde!?“ eine breite Palette an Lösungsansätzen präsentiert, unter denen die dezentrale Energieerzeugung sicherlich auch einen prominenten Platz einnehmen wird.

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